Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und neigt dazu, Dinge als gegeben hinzunehmen. Das ist auch gut so, denn wenn man sich dauernd fragt „Warum eigentlich?“ kommt man ja auch zu nichts. Zum Glück gibt es aber Menschen, die sich doch mal was fragen. Und satellite ist die Antwort auf so eine Frage: „Warum ist meine Handynummer eigentlich immer an eine SIM-Karte gebunden? Und was könnte ich machen, wenn das nicht so wäre??“.
ALLER ANFANG IST SCHWER
Thilo Salmon, sipgate
Tatsächlich ist es acht Jahre her, dass sich Thilo Salmon diese Frage gestellt hat, die ihn seither auch nicht mehr losgelassen hat. Als einer der beiden Gründer von sipgate stellt er sich aber nicht nur solche Fragen, sondern hat auch die Möglichkeiten sie zu beantworten. Dass dafür ein sehr langer Atem notwendig sein würde wusste er allerdings nicht … doch der Reihe nach: Der erste Schritt zur Liberalisierung der Handynummer war sipgate one. Damit konnte man Anrufe auf eine Handynummer kostenlos zu beliebigen anderen Anschlüssen weiterleiten lassen. Da wir damals noch keine eigenen Handynummern vergeben konnten, haben wir Nummern mit der Vorwahl 01570 von Telogic gemietet.
Das Interesse von Kunden war da, doch gab es von Anfang an kräftigen Gegenwind der etablierten Telekommunikationsanbieter. Die sehen in einem virtuellen Mobilfunkprodukt wie sipgate one nämlich eine Gefahr für ihre Geschäftsmodelle. Leider können sie diese “Gefahr” sehr effektiv behindern, indem sie zum Beispiel deren Erreichbarkeit aus dem eigenen Netz erschweren. Was sie im Fall von sipgate one auch getan haben. Aus diesem und anderen Gründen mussten wir sipgate one Anfang 2013 einstellen. Dazu gibt es übrigens auch einen lesenswerten Blogartikel von Thilo.
JETZT ERST RECHT
Unabhängig von sipgate one hatten wir uns bereits bemüht, selbst als Mobilfunkanbieter auf den Markt zu kommen. Mit eigenen Nummern und eigenem Netz wollten wir uns unabhängig von Firmen wie Telogic machen. Dass dies nicht leicht würde war klar, doch die heftigen Blockaden von der BNetzA und den anderen Providern haben uns dennoch überrascht.
Zuerst haben wir gegen die BNetzA auf die Zuteilung von IMSIs klagen müssen. Als wir dann MVNO (Mobile Virtual Network Provider) waren, hatten wir endlich eine eigene Nummerngasse mit der Vorwahl 01579 – diese war aber aus den Netzen der anderen Provider nicht erreichbar. Es waren zwei Jahre und diverse Klagen notwendig, um dies zu ändern. Ach ja, und die gegenseitige Portierung von Nummern wollten sie erst möglich machen, wenn unsere Systeme ausreichend getestet sind … es gab aber keine Bereitschaft diese Tests mit uns durchzuführen. Kafka hätte seine wahre Freude dran gehabt Mobilfunkanbieter in Deutschland zu werden.
DIE WENDE UND DER BEGINN VON ETWAS NEUEM
Schlußendlich haben wir uns durchgesetzt und sipgate ist seit Ende 2013 Mobilfunkanbieter mit uneingeschränkt erreichbaren Nummern, die auch portiert werden können. Wir integrieren Mobilfunk in unserer Cloud-Telefonanlage sipgate team und bieten mit simquadrat einen Handytarif für Privatkunden an. Für beides braucht man aber die SIM-Karte von sipgate. Was wurde also aus der Idee, die Handynummer von der SIM-Karte zu trennen?
Wir haben nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet und der ist jetzt! Von der BNetzA gab es grünes Licht, aber auch eine Bedingung: Wir mussten eine eigenständige Telefongesellschaft für satellite gründen. Und obwohl wir ja wussten worauf wir uns da einlassen, haben wir genau dies getan. Jetzt sind wir der einzige Anbieter in Deutschland, der eine Handynummer unabhängig von der SIM-Karte anbieten kann.
Schnell hat sich dann ein motiviertes Team zusammengefunden, das satellite bauen konnte und dann allen Menschen erklären sollte, warum man seine Handynummer von der SIM-Karte trennen will. Mehr war doch nicht nötig … hofften wir. Aber anders als bei unserer ersten Mobilfunkgesellschaft wollte die Telekom diesmal nicht die anderen Provider mit unserer neuen Gesellschaft zusammenschalten (begleitender Artikel bei Golem.de). Die neue Vorwahl 015678 wäre also nur aus dem Telekom-Netz erreichbar (denn dazu ist die Telekom verpflichtet), aber Kunden der anderen Provider können uns nicht anrufen. Gespräche von satellite würden zwar zugestellt, aber das reicht uns natürlich nicht. Also wieder mal die Ärmel hochkrempeln und mit allen Telefongesellschaften individuelle Verträge abschließen. Dabei ist es ausnahmsweise mal ein Vorteil, dass der Mobilfunkmarkt in Deutschland von nur drei Firmen beherrscht wird. Mittlerweile sind wir mit der Telekom, Telefónica und Vodafone verbunden und haben faktisch 100% Mobilfunkerreichbarkeit in Deutschland. Es fehlen zwar noch einige Festnetzanbieter und eine umfassende Lösung für die internationale Erreichbarkeit, aber wir sehen das Licht am Ende des Tunnels.

WOFÜR TUN WIR DAS ALLES?
Ja, wofür eigentlich der ganze Streß :) Zum Teil ist die Antwort ähnlich wie bei der Frage warum man auf dem Mount Everest klettert. Weil wir es können! Der deutliche wichtigere Grund lautet aber: Es ist Zeit. Beim Festnetz ist der Wechsel zu VoIP im vollen Gange und mit dem Start von 5G wird auch der Mobilfunk komplett IP-basiert. Tschüss ISDN, Tschüss GSM und Hallo Zukunft. Aber: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Mobilfunkanbieter in Deutschland wenig Interesse haben, technische Innovationen umzusetzen. Stattdessen “optimieren” sie viel lieber die Tarifschraube oder bündeln Leistungen wie Rufnummer, Erreichbarkeit und Flexibilität, um Kunden an sich zu binden.
Für uns ist das die Chance, mit satellite früh zu starten und diejenigen zu begeistern, die mehr wollen als günstigere Tarife und automatisch alle zwei Jahre ein neues Handy. Mit satellite haben wir die Möglichkeit nahezu alles umzusetzen, was technisch möglich ist, und das ist eine Menge. Was genau das am Ende sein wird, wissen wir nicht … aber genau darauf haben wir Lust und du hoffentlich auch.
satellite ist kein Spaßprojekt auch wenn es Spaß macht. Wir meinen das ernst und arbeiten seit 2016 in Vollzeit daran. Wir haben uns quasi als Start-Up innerhalb von sipgate gegründet und sind komplett autark, können aber auf alle Ressourcen und die Erfahrung von sipgate zugreifen. Unsere Nutzer sind kritisch, aber begeistert und scheinen sich auch zu fragen: „Warum eigentlich nicht?“.
776 Kommentare
Siegfried:
Warum bzw. wann wird die E-Mail zu Verifizierung des Account oder Person- versendet, habe auch nach etlichen Stunden noch keine erhalten.
Michael:
Der Code wird per Brief versendet und das dauert halt eine Weile. Hintergrund: https://help.holodeck.satellite.me/hc/de/articles/360000449825-K%C3%B6nnt-ihr-den-Freischalt-Code-auch-per-Mail-schicken-
rincon:
Für diejenigen, die kein Google einschl. Playstore auf dem Handy haben: Stellt Ihr die apk auch anderweitig zur Verfügung?
Michael:
Nein, ist nicht geplant.
Jörg:
Moin!
Ich werde euer Angebot ausführlich unter Android testen, bevor ich meine Nummer zu Satellite portieren lasse.
Folgende Dienste sollte aber noch eingebaut werden:
– SMS (auch ohne Portierung nutzbar)
– eine Option für Telefonanrufe in alle Länder, die nicht in jetziger Liste aufgeführt sind. Btw.: Sind Anrufe z.B. nach Russland von Satellite aus z.Zt. nicht möglich?
– Eine Möglichkeit Sonderrufnummern anzurufen (018xx bzw. 0900) die wird man vielleicht mal brauchen. Ihr seid doch Sipgate, da muss es doch eine Möglichkeit geben?!
– Optional eine Festnetznummer dazubuchbar. Damit die ältere Fraktion auch kostengünstig Satellite-Anschlüsse (der digital natives) anrufen kann (ihr seid doch Sipgate…:-)
Michael:
Noch ein Amateur…: Hallo Michael, bitte, wie verstehe ich Euren Dienst? Funzt die App und somit Eure Technik parallel auf einem Smartphone mit aktivierter SIM-Karte/Rufnummer (Prepaid) eines anderen Providers, sozusagen wahlweise? Oder wirft man die SIM und den damit verbundenen Provider ‚raus‘ um ausschließlich mit der von Euch vergebenen Nummer zu hantieren? Auf den Punkt gebracht: funzt beides parallel nach Belieben auf einem Smartphone.
Michael:
„Funzt beides parallel nach Belieben auf einem Smartphone“. Genau so ist das :) Kannst aber auch nur mit satellite (z.B. über Daten-SIM oder Wlan)
Peter Elsner:
Warum keine Version für das iPad ? Nutze mein iPad Pro ausschliesslich im Landscape-Mode und da es offenbar keine iPad Version gibt, „liegt“ die App und das ist extrem unpraktisch. Endlich mal ne Möglichkeit auch mit dem iPad zu telefonieren aber in der Form leider „unschön“. Also wenn möglich bitte eine iPad-Version – Danke !
Michael:
Ist geplant, aber jetzt war erstmal Android dran. Alles der Reihe nach ;)
Dieter Kühne:
Für uns wäre auch Argentinien sehr wichtig. Alle anderen für und wichtigen Länder sind abgedeckt.
Jörg:
Nutzer einer Fritz!Box können zumindest die Callthrough Funktion nutzen, um Länder zu ereichen, die nicht in der Liste sind und Sonderrufnummern anzurufen. Wäre erstmal eine Lösung.
Klaus Hofmann:
Hallo zusammen, kann man die Nummer auch in eine Fritzbox integrieren?
Michael:
Nein, kannst du nicht.
Joo:
Hallo, ich bin ein großer Fan und habe insgesamt sehr gute Erfahrungen mit Satellite gesammelt. Aber ich habe festgestellt, dass Anrufe von Satellite an Simquadrat-Nummern funktionieren. Es bricht noch vor demm Freizeichen ab. Andersherum funktioniert es aber. Ist das eine bekannte Problematik? Ich habe dazu bislang nichts gefunden.
Michael:
Das Problem haben wir noch nicht feststellen können. Wenn dauerhaft auftritt, meld dich bitte mal bei help@satellite.de
Fabian:
Ich würde mir noch sehr wünschen die Rufnummer flexibel wechseln zu können. Dann wär Satellite der perfekte Dienst für mich.