Wir arbeiten schon seit Jahren agil und lean. Das genau zu erklären dauert leider zu lange, aber wenn es dich interessiert, schau dir mal dieses Video über Scrum an. Unter anderem bedeutet es, dass wir uns nicht ins stille Kämmerlein zurückziehen und nach Jahren plötzlich mit einem fertigen Produkt auftauchen. Stattdessen versuchen wir, möglichst schnell etwas Nutzbares den Kunden zur Verfügung zu stellen und aus dem Feedback zu lernen. So merken wir direkt, ob wir auf dem richtigen Weg sind und vermeiden teure Fehlentwicklungen. Das machen mittlerweile ziemlich alle Firmen so – von Apple bis Google. Nicht weil es hipp ist, sondern weil es funktioniert.
Evolution statt Revolution
Dass es funktioniert liegt daran, dass heutzutage nur noch selten revolutionäre neue Technik entsteht – das Rad neu zu erfinden ist halt schwierig. Der Normalfall ist eher, dass bestehende Technik neu gedacht oder kombiniert wird und so etwas Neues entsteht. Auch das erste iPhone ist ein Beispiel dafür: Die Technik für Touchscreens, Handykameras und mobiles Internet gab es schon. Apple hat das alles kombiniert und sich darauf konzentriert, die Nutzbarkeit zu optimieren. Das hat den Unterschied gemacht und am Ende wurde aus dem iPhone etwas, das unseren Alltag grundlegend verändert hat. Als Firma hofft man natürlich immer auf so einen Erfolg, aber konkret planen kann man das nicht. Stattdessen schafft man ein Umfeld, in dem viele Idee entstehen und getestet werden können. Die erfolgreichsten entwickelt man weiter und kommt so nach und nach zu seinem verdientem Erfolg.
Wir haben das Wissen und die technischen Mittel, um so ziemlich alles umzusetzen, was mit Telefonie und Apps möglich ist. Aber was müssen wir machen, damit 2020 alle Leute sagen: “War ja klar, dass satellite ein Erfolg wird” ?!?
Wir hatten eine Idee, aber keine Gewissheit. Die Lösung: Wir bauen als erstes die Minimalversion von unserer Idee, werfen sie in den Löwenkäfig der öffentlichen Kritik und schauen, ob sie fit für den Markt ist. Wenn wir positives Feedback bekommen wissen wir, dass es in die richtige Richtung geht. Dann bauen wir weiter und entwickeln so nach und nach das fertige Produkt. Wenn nicht, stellen wir es komplett ein oder überlegen uns, welche Änderungen nötig sind. Und 2020 sagen wir dann: “So haben wir das von Anfang an geplant” ;)
Aber warum nicht iOS und Android gleichzeitig?
Die Minimalversion von satellite sollte nicht nur eine technisch funktionale Telefonie-App sein. Sie sollte auch klären, ob die Nutzer sich wirklich anmelden und ob sie verstehen, was satellite von anderen VoIP-Apps unterscheidet. Um das alles herauszufinden, brauchten wir drei Dinge:
- Eine App, mit der man ohne SIM-Karte über eine Handynummer telefonieren kann – Denn das ist der Kern von satellite.
- Ein Design das funktional ist und Nutzer überzeugt, sich anzumelden – Die App soll Spaß machen und von den Nutzern ernst genommen werden.
- Eine Konzept, wie wir den Nutzern erklären, was an satellite besonders ist – Sonst werden wir nur als eine VoIP-App unter vielen wahrgenommen.
Alles drei hätte man sowohl mit iOS als auch Android testen können. Aber für beide System gleichzeitig zu entwicklen hätte nur Zeit gekostet und keinen Vorteil gebracht. Die Frage war also: Mit welchem System finden wir schnellstmöglich Lösungen für die Herausforderungen?
iOS vs. Android
iOS:
- Innovation durch Call-Kit, das noch keine App in Deutschland genutzt hat.
- Generell überschaubare Hardwarevielfalt (Call-Kit erst ab dem iPhone 5s).
- Versionskompatibilität bis maximal iOS 10.
- Geschlossenes System mit intransparenten Release-Vorgaben, aber aufgeräumten und redaktionell betreutem App-Store.
Android:
- Ausgereifte Technik zur VoIP-Integration in nativer Telefonie.
- Deutlich größere Nutzergruppe.
- Wir unterstützen grundsätzlich gerne Open Source Projekte.
- Große Varianz bei Hardware und API-Versionen.
Letztlich haben wir uns gegen Android entschieden. Unter anderem, weil dann viel Zeit dafür notwendig gewesen wäre, die App für relevante Screengrößen und API-Versionen nutzbar zu machen. Diese Zeit wollten wir lieber nutzen, um schneller an den Start zu kommen.
Nachdem die Entscheidung für ein System gefallen war, haben wir innerhalb eines Jahres die iOS-Version fertiggestellt und damit bei mehreren hundert Beta-Testern Feedback gesammelt. Schnell war klar: satellite kommt gut an und die Nutzer finden Anwendungsfälle in ihrem Alltag. Jubel, Jubel, Zahnseide-Tanz!
Warum haben wir dann nicht direkt mit Android weitergemacht?
Die Minimalversion war wie gesagt nur der Testballon, ob unsere Idee überhaupt eine Chance haben könnte. Sie war noch weit davon entfernt, reif für den Mobilfunkmarkt zu sein. Zum Beispiel waren wir noch nicht aus allen Mobilfunknetzen erreichbar, geschweige denn aus allen Festnetzen. Das Geschäftsmodell basiert auf einem Freemium-Angebot, die Premium-Version gab es aber noch nicht. Und viele Nutzer meinten, dass sie satellite ohne Portierung ihrer alten Nummer und dem Empfang von Verifizierungs-SMS nicht wirklich nutzen würden.
Wenn wir auch eine Minimalversion für Android gemacht hätten, wäre die Entwicklung der marktreifen Version deutlich verzögert worden. Deshalb haben wir beschlossen, zuerst die Dinge zu entwickeln, die unabhängig vom Betriebssystem für beide Plattformen einen Mehrwert haben und von aktiven Nutzern gefordert wurden. Konkret waren das dann die Erreichbarkeit aus allen Mobilfunknetzen, satellite Plus, Portierung von Rufnummern und Verifizierungs-SMS. Fast alles was wir in den letzten 4 Monaten gemacht haben, kann 1:1 bei Android übernommen werden.
Wie haben wir dann mit Android gestartet?
So wie wir bei neuen Projekten immer starten: Wir haben überlegt, welche Herausforderungen wir klären müssen und eine erste Minimalversion gebaut. Das Erfreuliche war, dass wir nicht mehr herausfinden mussten, ob satellite überhaupt eine Chance hat. Auch die Kommunikation und das Design waren schon erfolgreich getestet. Es ging dann vor allem darum, dass die Telefonie auf Android genauso gut funktioniert wie mit iOS. Als das geklappt hat, haben wir die App hübsch gemacht und für alle relevanten Modelle und API-Versionen in den Play-Store gebracht.
Zum Start gab es also eine Android-App, mit der man nur telefonieren konnte und die von 300 Beta-Testern auf Zuverlässigkeit geprüft wurde. Ohne hübsches Design, ohne Anmeldeprozess in der App, ohne Kontaktimport oder Premium-Version. Danach kam die Version für den Play-Store, die jeder nutzen konnte. In Zukunft werden Android und iOS immer auf dem gleichen Stand sein und alle Funktionen auf beiden Systemen laufen – darauf kannst du dich verlassen.
Ich hoffe, dass unsere Gründe nun etwas klarer sind – und die Entscheidung mit Android später zu beginnen – dadurch transparent wird. Ich erwarte nicht, dass alle die Entscheidungen gut finden, aber zumindest wisst ihr jetzt, warum wir uns so entschieden hatten.
363 Kommentare
Michael:
Kann ich auf meinem iPhone Satellite Plus aktivieren und dann auch auf Android die Plus Variante nutzen?
Michael:
Ja
Thomas Stölting:
Muss ich eigentlich die Ländervorwahl (in diesem Fall Deutschland) mit angeben 0049 xxxx?
Michael:
Nach Deutschland nicht. In andere Länder natürlich schon
Michael K:
Sehr schlüssige und „geerdete“ Begründung, gut nachvollziehbar und jenseits dieses unsäglichen Apple-Android-Gebashe.
Habe per Zufall (Computer-Bild beim Arzt) von Satellite (auf iPhone) erfahren, registriert- und hatte sofort einen Anwendungsfall: Verifizieren einer Hotel-Buchung in Australien. Hat Super geklappt, auf Anhieb, Null Problemo. So eine geile Idee … : Ich bin weltweit*) unter einer deutschen Mobil-Nummer erreichbar und kann von D aus 100 min ins Ausland *) anrufen. Das Einzige was ich mich wirklich frage ist: Womit „bezahle“ ich den Freemium-Dienst? Wenn ich das weiß, dann werde ich Satellite-Evangelist in meiner Umgebung … ;-)
Michael:
Vielen Dank, für das freundliche und qualifizierte Feedback. Jetzt will ich dich natürlich auch zum satellite-Evangelisten machen :) Zu unserem Geschäftsmodell hat Marcel in diesem Post einiges geschrieben, dem hab ich nichts hinzuzufügen. Deine Frage beinhaltet vermutlich aber auch die Sorge, ob du bei der Free-Version mit deinen Daten „bezahlst“ und wir irgendwie damit Geld machen. Die Sorge ist in Zeiten von Facebook etc. ja leider auch nicht unbegründet. Wir nutzen anonymisierte Kundendaten, um das Verhalten unserer Nutzer zu verstehen und satellite daran anzupassen. Wir verkaufen aber niemals irgendwelche privaten Daten zu Werbezwecken oder ermöglichen personalisierte Werbung in der App (Werbung in der App ist generell nicht geplant). Ich könnte jetzt noch viele weitere Argumente aufzählen, aber am Ende musst du uns einfach vertrauen, dass wir keinen Unsinn machen. Das Vertrauen müssen wir uns aber natürlich auch verdienen. Wenn du dich ein bisschen mit sipgate beschäftigst wirst du merken, dass wir schon immer sehr aktiv bei Themen wie Datenschutz, Netzneutralität, Open Source und New-Work waren. Das steckt sehr tief in unserer Firmenphilosophie und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Ich hoffe, ich konnte dich überzeugen :)
Michael K.:
Von Michael zu Michael: Danke! Manchmal klappt einem doch noch der Unterkiefer herunter vor positiver Überraschung. Werde mich noch intensiver mit sipgate beschäftigen, das klingt alles sehr spannend
Enrico S.:
Hallo Satellite-Team ,
würde diese APP gerne auf einem alten Samsung Galaxy S3 mit LineAgeOS (Android 7.1) benutzen . Nur ohne Play Store finde ich keine passende Apk . Man hat ja schon fast über all Internet (WLAN) . Dann wäre die APP super perfekt !!!
Gruß Enrico
Arvid:
Hi,
auch als nicht-satellite-Team kann ich dir den Tipp geben (insofern das Problem nicht schon gelöst ist), den Play Store einfach per APK nachzuinstallieren und von dort zu beziehen. (Natürlich nicht, wenn die Custom ROM zur Google-Vermeidung dient…) Weitere Möglichkeiten, um die APK zu downloaden habe ich leider ohne Erfolg ausprobiert.
Jörg:
Wenn nur der Play Store fehlt und man den auch nicht installieren will kann man z.B. mit Yalp Apps aus dem Play Store installieren:
https://f-droid.org/de/packages/com.github.kiliakin.yalpstore/
Gerhard Hellinger:
Hallo Satellite-Team,
ich nutze die Satellite-App auf meinem Android (8.0) Smartphone. Mir ist aufgefallen, daß mein Telefon während des Telefonierens mit Satellite unangenehm heiß wird. Ist das normal und woran kann das liegen?
Bei der normalen Telefonie ist alles in Ordnung.
Gruß Gerd
Arvid:
Bin zwar aussenstehend, versuche aber gerne, deine Frage zu beantworten.
Dies liegt vermutlich an der Wärmeableitung bzw. „Kühlung“ deines Geräts. Prozessoren, besonders in Low-End-Geräten, neigen dazu, bei Belastung schnell heiß zu werden oder zu überhitzen. (Möglicherweise bei dir der Fall)
Den Wärmeunterschied zum normalen Telefonieren würde ich daran festmachen, dass die satellite-App durch ihre Komplexität im Gegensatz zu System-Telefon-App (welche auch für dein Gerät optimiert ist) mehr Systemressourcen verbracht. Außerdem bedient sich die satellite-App nicht am normalen Mobilfunknetz, da die Anrufe ja über VoIP abgewickelt werden, was zu einer (wenn auch geringfügigen) Mehrbelastung des Prozessors führt.
Gruß,
Arvid
Nico:
Hallo, ich finde die satellite app idee sehr spannend, auch wenn ich noch ein sms schreiber bin und deshalb die app noch nicht als vollwertigen ersatz ansehen kann.
Was mir allerdings negativ auffällt ist, dass sobald ich kein lte oder wlan zugang mehr habe, sondern nur 3G oder Edge, mein gesprächspartner mich nicht mehr hört.
Woran kann das liegen? Falls jmd eine idee hat, gerne antworten.
Arvid:
Das liegt daran, dass ab einer bestimmten Netz-Geschwindigkeit die Bandbreite nicht mehr für satellite-Telefonate ausreicht. Bei EDGE ist dies verständlich (max. ca. 56 KBit/s), 3G sollte theoretisch mit bis zu 42 MBit/s kein Hindernis darstellen. Möglicherweise ist die Geschwindigkeit auch durch deinen Mobilfunkanbieter gedrosselt.
Frank D.:
Schön wäre die Möglichkeit, Anrufe auf eine Festnetznummer umleiten zu lassen. Oder funktioniert das schon und ich habe es übersehen?
Melanie:
Nein, du hast nichts übersehen: Momentan kannst du deine satellite-Nummer noch nicht auf eine anderen Rufnummer umleiten. Die Weiterleitung steht schon auf unserer „Was-User-sich-wünschen-Liste“, aber ob und wann die Funktion in der App landet, können wir heute noch nicht sagen.
Wolle:
Hallo,
Leider muss ich nun nach Einführung der App sagen das es noch viele Baustellen gibt!!! Ich finde ja die Idee segr gut aber anscheint bei Android nicht gut umgesetzt. Die Sprachqualität lässt eigentlich sehr oft zu wünschen übrig. Zum einen die Sprache schrillt und übersteuert dermaßen, so das einem balt die Lautsprechermemprane entgegenspringt. Am Schlimsten ist es von Satellite zu Satellite. Da hilft auch keine Reduktion der Lautstärke!!! Ich hatte das auch schon mehrfach geschrieben aber man vertröstet mich immer das es angeblich an der individuellen Telefon-App jedes Herstellers liegen würde oder am Datennetz und und und…. !!!! Komischerweise haben diese Probleme nicht blos ich mit meinem Nokia!!! Dann könnt ihr bitte endlich mal diese Mailbox Abschaltbar bzw. Einstellbar machen!!!!!!???? Die nervt gewaltig. Und dann sind da noch die Erreichbarkeitsprobleme. Ihr hattet ja gesagt das es auch nur bei ETGE-Empfang gehen würde. Das stimmt einfach nicht!!!! So lange diese Baustellen nicht behoben sind kann ich nicht umsteigen!!!! Eigentlich wollte ich mir ja nur noch eine Daten Sim holen und dazu dann ihren PLUS Tarif buchen. Aber da müsst ihr noch viel machen!!!! Bitte lasst nicht nach. Man sieht irgendwie zur Zeit keinen Fortschritt mehr!!!
Wolle:
Ach und noch etwas das ich schon länger bemängelt hatte!!! Macht endlich diese (Entschuldigung) besch….. Freizeichenmusik aus bzw. ,wenn sie jemand haben möchte, individuell Ein-und Ausschaltbar.die So etwas könnte man doch alles in ein Einstellungsmenü, wie es auch bei jedem anderen Provider ist, der Mailbox packen. Ist das wirklich so schwehr oder ist das nicht gewollt?!