Ins Ausland telefonieren mit satellite

Melanie
14.11.2019 97 3:45 min

Mit satellite telefonierst du aktuell in 63 Länder auf der ganzen Welt. Das ist ziemlich beeindruckend, oder? Nichtsdestotrotz bekommen wir häufig Nachrichten von Nutzern, die Ländern vermissen und einzelne Länder nachfragen – allen voran unser Nachbarland Schweiz und die Türkei. Wir können absolut verstehen, dass man auch dort gerne Familie und Freunde anrufen möchte!

Mit meinem Kollegen Percy Christensen habe ich über die Länderliste von satellite gesprochen. (Treue satellite Fans haben das Interview bestimmt im Podcast gehört :)) Percy ist Carrier Manager bei sipgate und erklärt in diesem Interview, warum man mit satellite in manche Länder telefonieren kann und in andere (noch) nicht.

Im August konnten wir der satellite Länderliste neun neue Länder hinzufügen. Warum ging das?

Percy: Das ging, weil wir diese Länder relativ günstig einkaufen können. Dazu muss man wissen, dass wir prinzipiell für jeden Anruf, den ein satellite Nutzer tätigt, an das andere, angerufene Netz Geld bezahlen müssen.

Sind das die sogenannten „Terminierungsentgelte“?

Percy: Ja richtig. Die Terminierungsentgelte sind Entgelte, die sich Netzbetreiber untereinander für die Terminierung des Anrufs bezahlen müssen – also um den Anruf zu dem angerufenen Kunden zu bringen. Es gibt sie in verschiedenen Varianten.

Innerhalb Europas und in manchen anderen Staaten sind sie reguliert. Aber es gibt sie auch in komplett unreguliert und dann in beliebiger Höhe. Dann unterscheiden sich die Terminierungsentgelte je nach Land sehr drastisch in ihrer Höhe. Es gibt Länder, da zahlen wir zweistellige Cent-Beträge pro Minute, um einen Anruf dort hinbringen zu können.

Was bedeutet das für satellite?

Percy: Wir haben uns für satellite die Kosten für alle Länder dieser Welt angesehen und einen Maximalbetrag pro Minute bestimmt, den wir bereit sind auszugeben. Man darf nicht vergessen, dass satellite ja ein kostenloses Angebot mit 100 Freiminuten im Monat ist. Und genau deswegen können wir eben nur Länder rechtfertigen, in die dieser Cent-Betrag pro Minute nicht überschritten wird.

Das sind ja aber schon deutlich mehr Länder als bei einem „herkömmlichen“ Telefonie-Angebot. Damit hat satellite ein ganz großes Alleinstellungsmerkmal. Denn mit dieser Telefonie-App sind Länder kostenlos erreichbar, in die man woanders wahrscheinlich Euro-Beträge pro Minute bezahlt.

Habe ich es richtig verstanden, dass die Terminierungsentgelte nicht stabil sind sondern sich immer wieder ändern? Bedeutet das im Zweifelsfall auch, dass Länder, die man heute mit satellite anrufen kann, vielleicht irgendwann wegfallen?

Percy: Genau. Die Terminierungsentgelte sind ein dynamisches System. Wir haben aktuell eine zweistellige Anzahl von Zusammenschaltungen sowohl mit Netzbetreibern, die echte Endkunden haben – die sogenannten „Teilnehmernetzbetreiber“. Aber auch mit „Transitnetzbetreibern“, deren Aufgabe es ist, zwischen Teilnehmernetzbetreibern die Anrufe zu vermitteln. Die schicken uns mehrfach in der Woche, manchmal sogar mehrfach täglich Preislisten.

Wir schauen uns die Listen an und verfolgen die Preisentwicklung über einen längeren Zeitraum. Bleiben die Terminierungsentgelte recht stabil, fügen wir neue Länder zu satellite hinzu. Aber nur, wenn wir wirklich sicher sind. Denn wenn wir die neuen Länder nach drei Wochen wieder entfernen müssten, weil bei uns die Kosten explodieren, wäre das für den satellite Nutzer ja ziemlich doof.

Das ist ja bisher glücklicherweise noch nicht passiert … Am Ende noch eine Frage, die unsere Nutzer häufig stellen: Anrufe in die Schweiz und die Türkei? Führen also die zu hohen Terminierungsentgelte dazu, dass Anrufe in diese beiden Länder einfach nicht möglich sind?

Percy: Ja, im Moment ist es leider tatsächlich genau so. Wir zahlen in beide Länder einen zweistelligen Cent-Betrag pro Minute. Und das können wir betriebswirtschaftlich einfach nicht rechtfertigen. Wir haben mit satellite ja ein Angebot, das nicht nur ein paar Monate bestehen soll. Sondern wir planen, die App langfristig im Markt zu halten und jedem Nutzer jeden Monat 100 Freiminuten zu schenken. Und das können wir eben nur machen, wenn sich das Ganze auch für uns rechnet und wir nicht riesige Kosten haben.

Danke für das Interview, Percy.

Percy: Immer wieder gerne.

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97 Kommentare


Werner:

Liechtenstein das Fürstentum Liechtenstein gehört zur EWR, Staaten in der EU plus die EWR EWR Staaten Island Norwegen und das Fürstentum Liechtenstein. In der EWR sind die Terminierungsentgelte geregelt reguliert. Die Schweiz gehört nicht zu den EWR Staaten. In der Schweiz sind die Terminierungsentgelte teurer wie in EU und EWR. Daher der Unterschied Schweiz zu Fürstentum Liechtenstein.

antworten

    Reto Schenker:

    Von der Schweiz kann man zB günstig in amerikanische Mobilenetze telefonieren weil dort die Terminierungsentgelte günstig sind. In der umgekehrten Richtung sind die Kosten (gegenseitig) ebenfalls günstig. Wenn nun mit unterdrückter Rufnummernanzeige über Amerika telefoniert wird, sind die Terminierungskosten wesentlich günstiger. Die fehlende Rufnummernanzeige ist ein Nachteil und entdeckt der Netzbetreiber am Ziel diesen Trick, wird die Verbindung nicht möglich sein. Wir leben seit vielen Jahren mit diesem Problem – reine Abzocke!

    Meine Fritzboxen in der Schweiz haben alle auch europäische Rufnummern (SIP) und lassen sich deshalb in/aus Europa kostenlos anrufen. Die Fritzboxen sind auch über VoIP mit/ohne VPN erreichbar und dann lässt sich zu vernünftigen Preisen (meistens kostenlos) in die halbe Welt telefonieren. Auch Call-Through kann die Fritzbox. Ist die Satellite-Nummer dafür eingerichtet, kann zum lokalen Tarif telefoniert werden.

    Reto Schenker:

    Von der Schweiz kann man zB günstig in amerikanische Mobilenetze telefonieren weil dort die Terminierungsentgelte günstig sind. In der umgekehrten Richtung sind die Kosten (gegenseitig) ebenfalls günstig. Wenn nun mit unterdrückter Rufnummernanzeige über Amerika telefoniert wird, sind die Terminierungskosten wesentlich günstiger. Die fehlende Rufnummernanzeige ist ein Nachteil und entdeckt der Netzbetreiber am Ziel diesen Trick, wird die Verbindung nicht möglich sein. Wir leben seit vielen Jahren mit diesem Problem – reine Abzocke!

    Meine Fritzboxen in der Schweiz haben alle auch europäische Rufnummern (SIP) und lassen sich deshalb in/aus Europa kostenlos anrufen. Die Fritzboxen sind auch über VoIP mit/ohne VPN erreichbar und dann lässt sich zu vernünftigen Preisen (meistens kostenlos) in die halbe Welt telefonieren. Auch Call-Through kann die Fritzbox. Ist die Satellite-Nummer dafür eingerichtet, kann zum lokalen Tarif telefoniert werden.

Arthur:

Wie wäre es, wenn Ihr die Länder in Preiskategorien einteilt und pro Kategorie Minutenpakete schnürt. Schweiz & Türkei zB (falls im gleichen Preisband), 100 Minuten zum Preis von XX Euro? Das wäre für diejenigen welche das möchten ideal. Wenn Ihr die verbleibenden Länder die nicht inkludiert sind in 3 Preisgruppen aufteilt, dann wäre das ein Anfang um Pakete zu schnüren…

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    Melanie:

    Grundsätzlich ist sowas denkbar, aber unsere Mission ist: Telefonie vereinfachen! Wir wollen eine Mobilfunklösung anbieten, die den „Tarif-Wirrwarr“ vieler Provider – über eben genau solche Pakete – auflöst. Die Ausprägung von Funktionen werden sich bei satellite und satellite Plus unterscheiden können. Die Telefonie an sich bleibt aber voraussichtlich für beide Versionen gleich.

Globetrotter:

Wenn ich mich im Ausland aufhalte und mich jemand aus Deutschland auf meiner Deutschen Satellitenummer anruft, muss er dann die Kosten für einen Anruf von Deutschland in mein aktuelles Aufenthaltsland zahlen oder lediglich für eine innerdeutsche Verbindung?

antworten

    Jan:

    Mit satellite bekommst du eine „normale“ deutsche Mobilrufnummer, die von Providern auch als solche behandelt wird. Personen, die dich auf deiner satellite Nummer anrufen, zahlen daher die bei ihrem Provider üblichen Entgelte für Anrufe auf Mobilrufnummern. Technisch gesehen befindet sich dein satellite immer in Deutschland: Deine Anrufer zahlen also, selbst wenn du dich im Ausland befindest, immer nur für einen Anruf nach Deutschland. :)

thoger:

Ich habe über die Sattelite App nach Ägypten telefoniert Gesprächspartner war in ein Wlannetz eingeloggt
Funktionierte einwandfrei. Ob mir trotzdem Kosten entstehen bin ich Mal gespannt

antworten

    Jan:

    Super, dass es funktioniert hat. :) Dein satellite befindet sich technisch gesehen immer in Deutschland. Wenn du dich also im Ausland aufhältst, ist es für deine Anrufer in Deutschland immer so, als würden sie ein normales Inlandsgespräch führen. Wenn deine Gegenseite aber mit einer deutschen Nummer im Ausland ist, zahlen sie evtl. – je nach Anbieter – für die Durchstellung deiner deutschen Rufnummer. Für dich entstehen bei dem Telefonat aber keine Zusatzkosten: Alle Anrufe werden immer mit deinen 100 Freiminuten abgerechnet. Und falls die nicht ausreichen, gibt es satellite Plus für 4,99€ monatlich. Die Premium-Version kannst du in der App unter „Einstellungen“ buchen. :)

K. Grimpe:

Ich bitte um Nachsicht, aber ich kann nicht erkennen, ob Anrufer, die mich aus dem Ausland erreichen wollen, die Vorwahl +49 verwenden müssen oder nicht (…und geben dir eine deutsche Handynummer mit der Vorwahl 015678). Wäre für einen Tipp dankbar.

antworten

    Melanie:

    Mit satellite bekommst du eine „normale“ deutsche Mobilrufnummer, die von Providern auch als solche behandelt wird. Deshalb musst du bei Anrufen ins Ausland die entsprechende Ländervorwahl wählen. Personen, die dich aus dem Ausland auf deiner satellite Nummer anrufen, müssen die deutsche Ländervorwahl +49 wählen. Personen, die dich aus Deutschland anrufen, brauchen die Vorwahl nicht – egal, wo auf der Welt du gerade bist. Noch ein Hinweis: Aktuell können wir die Erreichbarkeit aus ausländischen Netzen noch nicht zu 100% sicherstellen. Das hat mit vielen rechtlichen Eigenschaften der Telekommunikationsbranche zu tun. Wir arbeiten aber daran, die Erreichbarkeit nach und nach herzustellen.

Dorothea:

Eine Frage für die ich keine Antwort gefunden oder auch nur übersehen habe.

Wenn aus Deutschland heraus einen satellite Anschluss anrufen möchte, bei dem sich der Angerufene gerade im Ausland z.B. in Thailand befindet, muss ich die deutsche Vorwahl +49 15678 …. mit wählen?

antworten

    Melanie:

    Nein. Personen, die aus Deutschland eine satellite Nummer anrufen, brauchen die deutsche Vorwahl nicht – egal, wo auf der Welt der satellite Nutzer gerade ist. Denn technisch gesehen befindet sich ein satellite Account nämlich immer in Deutschland. ;)

Dorothea:

von satellite zu satellite egal wo brauche ich also keine Vorwahl?

antworten

    Melanie:

    Ganz genau. :)

JOERG:

die App und Funktion Satellite ist sehr gut, bei Großeinsätzen von Rettungskräften + Polizei brechen regelmäßig die Zellen von Vodafone, Telekom und Co. zusammen – soll heißen kein Gespräch (außer Notruf) mehr möglich. Genau dann hat aber die App noch Kontakt zur Außenwelt gehabt – allerdings in VPN-gesicherten Verbindungen. Alternativ funktioniert nur ein eigener Kommunikatiosnserer bei einem deutschen Hoster und viel Handarbeit bei der Vergabe von Port´s. Lohnt sich für Leute die aus der ganzen Welt verschlüsselt kommunizieren wollen (Kosten 5,00 € im Monat), auch Ägypten oder China.

antworten

    Werner:

    Daten benötigst Du um die Telefonie von Sipgate nutzen zu können. Wenn die Mobilfunk Netze keine Daten liefern brauchst Du WLAN. Sonst kannst Du mit Satellite nicht telefonieren.

Mitia:

Ich habe versucht, während einer Reise in Russland Satellite auf einem neuen Smartphone, das ich vor Ort kaufen musste (das alte war defekt und ich musste erreichbar bleiben) zu installieren um über eine deutsche Nummer erreichbar zu sein und in die besagten unterstützten 64 Länder zu telefonieren. Google Play Store meldet mir das Satellite nicht in meinem Land verfügbar sei. Ich finde diese Sperre sehr kontraproduktiv wenn man wirklich auf Satellite auf Reisen vertrauen will. Warum darf ich Satellite nur in Deutschland installieren?

antworten

    Melanie:

    Wir vergeben ja bei satellite echte, deutsche Handynummern und die darf man nur Personen zuteilen, die einen Wohnsitz in Deutschland haben. Da wir – nach rechtlichen Vorgaben der BNtzA – die Meldeadresse abfragen und über den Brief-Code bestätigen müssen, geben wir die App entsprechend nur für Stores frei, in denen sie auch genutzt werden kann. Aktuell ist das nur in Deutschland der Fall, sodass du einen deutschen Account benötigst. Es ist jedoch möglich, die Region des Accounts zu verändern:

    Bei Android: https://support.google.com/googleplay/answer/7431675
    Bei iOS: https://support.apple.com/de-de/HT201389

    Reto Schenker:

    Hier sollte geklärt werden, was Sache ist. Früher konnten Ausländer bei Sipgate 0150…Nummern bekommen. Später brauchte es für die geografischen (lokalen) Ortsnetznummern eine deutsche Meldeadresse. Also sind nur für die Ortsnetznummern eine deutsche Meldeadresse nötig. Für deutsche Mobilfunknummern ist ein Identitätsnachweis Pflicht und die Meldeadresse kann auch im Ausland sein. Ich habe mehrere Mobilfunknummern so erhalten.
    Zusatzbemerkung: eine Zweitwohnung oder eine Geschäftsadresse sind auch Meldeadressen.

    Reto Schenker:

    Im Zusammenhang mit der Meldeadresse gibt es einen zweiten wichtigen Sachverhalt. Bei normalen Mobilfunknummern greift die Roamingregel nur, wenn das Gerät maximal 28 Tage im Ausland genutzt wird und hauptsächlich in Deutschland verwendet wird. Bei Satellite gilt technisch gesehen das Gerät immer in Deutschland! Das ist die einzige Möglichkeit dauernd die Mobilfunknummer im Ausland zu verwenden und in diesem Fall wird es schwierig mit der Pflicht einer deutschen Meldeadresse für eine Mobilfunknummer. Wahrscheinlich wird Meldeadresse und Wohnsitz nicht richtig unterschieden. Wie die Namen der Bezeichnung sagen Festnetz (SIP) gehören zu einer Meldeadresse und Mobilfunk gehört zu einer Person und ist eben mobil. Die Notrufe beim Mobilfunk müssen über die Mobilfunkmasten ermittelt werden, das bedeutet, das bei Satellite die App übers Betriebssystem den Standort ermitteln muss (die Meldeadresse wäre fatal).

Jens Anders:

Die Vorwahl des Landes zu wählen, wenn derjenige im Ausland ist, Check! Und wenn ich angerufen werde, muß derjenige quasi nach Deutschland telefonieren, egal wo ich bin? Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, isses also günstiger für beide, wenn ich im Ausland anrufe, vorausgesetzt das Land befindet sich auf Eurer Länderliste, korrekt?

antworten

    Melanie:

    Yep, im Prinzip hast du alles richtig verstanden. Mit satellite bekommst du eine „normale“ deutsche Mobilrufnummer, die von allen Providern weltweit auch als solche behandelt wird. Deshalb musst du bei Anrufen ins Ausland die entsprechende Ländervorwahl wählen. Personen, die dich aus dem Ausland auf deiner satellite Nummer anrufen, müssen die deutsche Ländervorwahl +49 wählen. Personen, die dich aus Deutschland anrufen, brauchen die Vorwahl nicht – egal, wo auf der Welt du gerade bist. Denn technisch gesehen befindet sich dein Account immer in Deutschland. ;)

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